Yasin

„Ich will nicht, dass die Leute für mich traurig sind.“

Yasin ist zum Zeitpunkt des Interviews 18 Jahre alt und seit zirka zwei Jahren in Deutschland. Er floh aus Afghanistan, aus Angst vor den Taliban, die seinen Vater töteten. Der junge Mann ließ die Familie – Mutter, Schwester und kleiner Bruder – zurück und kam ganz allein nach Deutschland. Seit er hier ist, hat er nichts mehr von seiner Familie gehört. Die ersten Wochen und Monate in Deutschland waren besonders schwer für ihn, unter anderem auch, weil ihm der Besuch der Schule verwehrt wurde. Erst mit Hilfe des InProcedere-Projektpartners Diakonisches Werk Pfalz in Ludwigshafen konnte er zur Schule gehen. Auch in Afghanistan besuchte der junge Mann, der gerne Fußball und Gitarre spielt, die Schule bis zur fünften Klasse. Dann wurde es zu gefährlich. „Es gibt dort keine Sicherheit. Wegen der Taliban“, erzählt Yasin. Jetzt hofft er, dass er hier den Hauptschulabschluss machen kann. Voraussetzung für seine Zukunft in Deutschland ist, dass aus seinem derzeitigen Status der „Duldung“ eine Aufenthaltserlaubnis wird.

Beyhan Özdemir: Möchtest du hier bleiben?

Yasin: Früher dachte ich, ich habe keine Chance hier zu bleiben. Aber jetzt gehe ich zur Schule und versuche gute Noten zu bekommen und ich denke, das ist die einzige Chance.

Einen Berufswunsch hat der junge Mann, der momentan in einem Wohnheim für Asylbewerber in der Pfalz lebt, auch schon.
„Ich möchte Automechaniker werden.“

Stolz erzählt Yasin von einem einwöchigen Praktikum, das er in Deutschland in einer KFZ-Werkstatt gemacht hat. Sein Chef sei sehr zufrieden mit ihm gewesen. Auf die Frage, wo er sich in zehn Jahren sieht, wiederholt er: „Die einzige Chance, die ich habe, ist der Hauptschulabschluss und danach muss ich eine Ausbildung machen. Dann kann ich in Deutschland bleiben.“ Zurück nach Afghanistan will er nie wieder, sagt er. Aber er hofft dennoch, dass er seine Familie wieder sieht und dass er in zehn Jahren vielleicht selbst seine eigene kleine Familie gegründet hat.

Bleiberecht durch Arbeit 2.0