Sunday

„Aber am wichtigsten ist arbeiten“

Sunday stammt aus Nigeria. Seinen Vornamen verdankt er der Tatsache, dass er an einem Sonntag geboren wurde. 2008 verließ er, nachdem sein Vater von Rebellen getötet wurde, das Land. Die Flucht aus Nigeria gelang Sunday mit Hilfe eines Bekannten, dem er Geld gab und der ihm half, nach Deutschland zu kommen. Die Reise begann mit sehr vielen Menschen auf einem sehr kleinen Schiff, auf dem er mehr als zwei Wochen unterwegs war, schildert Sunday. Irgendwann kam er in Deutschland an und wurde zunächst in Karlsruhe und dann für drei Monate in Trier einem Wohnheim untergebracht. Seit über einem Jahr ist Sunday jetzt in der Nähe von Germersheim. Hier teilt er sich eine bescheidene Zwei-Zimmer-Wohnung mit einem Deutschen, mit dem er vorher schon im Wohnheim zusammen wohnte. Wenn Sunday an seine Heimat denkt, sieht er seine Mutter vor sich. Seit er weggegangen ist, hält er über Telefon Kontakt zu ihr. Sie bedeutet ihm sehr viel: „In Nigeria habe ich mein ganzes Leben mit meiner Mutter verbracht“, so Sunday.

Musik spielt eine wichtige Rolle im Leben des Nigerianers. Er beherrscht jede Art von Trommeln, spielt Schlagzeug, Gitarre und singt. Wenn er von Zeit zu Zeit von den Behörden die Genehmigung dazu erhält, fährt er nach Karlsruhe, um ein Stück näher an seiner Heimat zu sein: Denn in Karlsruhe gibt es eine afrikanische Kirche, in der er singt und Musik macht. Darüber hinaus kann er afrikanisches Essen einkaufen. Vor allem aber gibt es ein Internetcafé, von dem aus er seine Mutter anrufen kann. In den Telefonaten kann er der Mutter von seinen Fortschritten in Deutsch und seinen schulischen und beruflichen Plänen erzählen. Seine ersten Deutschkenntnisse hat Sunday durch den Besuch eines Sprachkurses in Germersheim erworben. Der weiterführende B2-Deutschkurs, genauso wie eine Fortbildung in der Gastronomie für den Servicebereich, wurde ihm durch den InProcedere-Projektpartner ProfeS – Gesellschaft für Bildung und Kommunikation in Germersheim ermöglicht. Jetzt ist sein Wunsch, hier in Deutschland zu bleiben und eine Ausbildung zu machen. In Nigeria besuchte Sunday die Schule und anschließend eine polytechnische Universität, wo er ein Diplom in Geologie erhielt.

Überleg mal Sunday, in zehn Jahren, wenn du frei wärst, was machst du dann?
Sunday: Das ist eine gute Frage. Wenn ich so wie jetzt weiterlebe, dann bin ich noch in Deutschland. Es wäre besser für mich einen Beruf zu haben. Man wird ja älter jeden Tag und ohne Beruf wird es im Alter schwieriger. Es ist wichtig, einen Beruf zu haben.

Aber meinst du, es gibt Chancen in eine Ausbildung zu kommen?
Sunday: Ich weiß es nicht, ich hab nur die Frau Anna (Anm. der Redaktion: Mitarbeiterin von ProfeS) gefragt und durch dieses Projekt habe ich die Möglichkeit, eine Ausbildung zu machen, hat sie mir gesagt.

Du hast gesagt, du möchtest auf jeden Fall eine Ausbildung machen. Aber in welchem Bereich möchtest du arbeiten?
Sunday: Ich würde gerne Koch lernen. Oder im Bereich der Logistik. Aber etwas mit Bau, also Handwerk, kann ich mir auch vorstellen.

Auch eine Familie will Sunday gründen, aber das hat noch Zeit. „Am Wichtigsten ist arbeiten“, so Sunday. Eine Freundin hat er aber schon. Er lernte sie über das Internet kennen. Leider sehen sie sich nicht oft, da sie in Bayern lebt und er, wenn er sie besuchen will, vorab eine Genehmigung von der Ausländerbehörde einholen muss. Wenn sie sich sehen, dann wird gerne gekocht. Ihr verdankt Sunday eine seiner deutschen Lieblingsspeisen: Spätzle.

Bleiberecht durch Arbeit 2.0