Mohammad

 

 

 

 

„Meine Onkel und meine Tante wollen, dass ich eine Afghanin heirate, aber ich möchte lieber eine deutsche Frau heiraten“

Zwei Jahre lebt der 23-Jährige Mohammad jetzt schon in Deutschland, seit er nach dem Tod seiner Eltern in Afghanistan gemeinsam mit seinem Bruder geflohen ist. In seiner Heimat war es Mohammad vor seiner Flucht noch möglich, 12 Jahre zur Schule zu gehen und ein Studium im Bereich Management zu beginnen, welches er jedoch leider nicht abschließen konnte. Mit der Unterstützung des InProcedere-Projektpartners ProfeS besuchte Mohammad einen Sprachkurs mit zusätzlicher Qualifizierung als Elektrofachhelfer in Landau. Danach wurde er von einer Leiharbeitsfirma übernommen. Die Arbeit in verschiedenen Betrieben hat ihm viel Spaß gemacht, nur das frühe Aufstehen fiel Mohammad manchmal schwer.

Mohammads Ängste sind im Interview deutlich spürbar. Es ist sein Wunsch dauerhaft in Deutschland zu bleiben, aber Mohammad ist beunruhigt über die unsichere politische Lage von Afghanen in Deutschland:

Mohammad: Ja, mein Wunsch ist in Deutschland zu bleiben. Ich mag nicht wieder gehen. Ich hoffe, dass ich durch eine Ausbildung eine Aufenthaltserlaubnis bekomme. Für Leute aus Afghanistan ist das schwierig. So viele aus Afghanistan werden abgeschoben oder sind von sich aus gegangen.

Damit Mohammad in Deutschland bleiben kann, hat er mit Unterstützung des InProcedere-Projektpartners ProfeS nach einem Ausbildungsplatz gesucht. 40 Bewerbungen hat der junge Mann geschrieben und schon fast die Hoffnung aufgeben, dass es mit der Ausbildung noch klappt. Doch dann bekam Mohammad endlich die ersehnte Zusage; er kann sich zum Elektriker ausbilden lassen. Obwohl Mohammad sehr glücklich über seinen neuen Ausbildungsplatz ist, macht er sich Gedanken, ob er den Anforderungen der Berufsschule gewachsen ist. Aber Mohammad ist, wie er berichtete, nicht alleine, denn er hat viele Freunde und Bekannte, die ihm ihre Unterstützung bereits zugesichert haben.

Seine Freizeit verbringt Mohammad am liebsten mit seinen Freunden, mit denen er dann Billard oder Bowling spielen und ins Kino geht. Auch besucht er gerne andere Orte in Deutschland und war u.a. schon in Koblenz, Kassel, Düsseldorf, Hamburg und Ludwigshafen.

Mohammad gefällt es, dass Deutschland eine Demokratie ist und dass Frauen hier die gleichen Rechte wie Männer haben:

Mohammad: Manche Leute mögen Demokratie, manche nicht. Viele Leute aus vielen Staaten mögen keine Demokratie. Die Frauen dort gehen nicht raus oder in die Schule. Ich komme aus der Hauptstadt Afghanistans, Kabul. Dort dürfen Frauen und Mädchen auch rausgehen und arbeiten, das ist hier kein Problem. In vielen Städten dürfen die Frauen aber nicht rausgehen und arbeiten. Sie werden von ihren Brüdern und Männern geschlagen, wenn sie das Haus verlassen. Mir gefällt das nicht an der afghanischen Kultur. Meine Onkel und meine Tante wollen, dass ich eine Afghanin heirate, aber ich möchte lieber eine deutsche Frau heiraten.

Bleiberecht durch Arbeit 2.0